Kategorie-Archiv: andere Bücher

Ulrike Plessow: Das orientalische Kochbuch – Bilder, Geschichten und Rezepte der Familie Tatlici

Vor kurzem erhielt ich „Das orientalische Kochbuch“ mit der Post. Ich brauchte ein bisschen, ehe ich begriff, dass Ulrike Plessow es verfasst hat. (Der Name der Autorin steht nicht auf, sondern nur im Buch). Ulrike kenne ich schon seit fast zehn Jahren, sie ist Geschäftsführerin der PR-Agentur BUCH CONTACT und hat meinen ersten Roman betreut. Aus dieser wunderbaren Zusammenarbeit entstand eine schöne Freundschaft. Heute zählt Ulrike zu den Stammgästen meines Künstlersalons „SÜ36“.

14333205_1272680322784688_7134124348512356502_nDass sie nun unter die Autorinnen gegangen ist, ist ein echter Glücksfall! Denn „Das orientalische Kochbuch“ ist ein Juwel unter den Kochbüchern. Weil es mit so viel LIEBE gemacht ist – mit Liebe zu den Gerichten, Liebe zu den Zutaten, Liebe zu den Rezepten, Liebe zum Land, Liebe zu den Menschen und Geschichten, die damit verbunden sind. Ulrikes Mann Özgür stammt aus der türkischen Provinz Hatay und kam als Kind mit seinen Eltern in die Bundesrepublik. Die Rezepte stammen von seiner Mutter, Ulrikes Schwiegermama.
Beim Durchblättern hatte ich sofort das Bild meiner bulgarischen Oma, Baba Wentsche, vor meinem geistigen Auge. Wie oft sah ich sie am Herd stehen und stundenlang mit größter Hingabe die köstlichsten Speisen für die Familie zubereiten. Und tatsächlich findet sich in Ulrikes Buch so manches Gericht, das meine Baba ebenfalls in ihrem Repertoire hatte, als ich Kind war. Die Türkei und Bulgarien sind ja nicht so weit voneinander entfernt …
Unbedingt erwähnenswert sind auch die zauberhaften Illustrationen, auf denen unschwer, neben zahlreichen anderen Familienmitgliedern, Ulrike und Özgür zu erkennen sind.
Ich wünsche diesem tollen Buch den größtmöglichen Erfolg!

 

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Frank Westerman: Ingenieure der Seele – Schriftsteller unter Stalin

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen gigantischen Wasserkraftprojekten und totalitären Diktaturen. Einen, der mir erst so richtig bewusst wurde, als ich das Buch von Frank Westermann (Niederländer, Ingenieur für Wassertechnik und Autor) las. 511ilcax0l-_ac_us160_Dieser recherchierte für sein Buch nämlich an jenen Orten in der ehemaligen Sowjetunion, an denen Stalin in den 30er Jahren monströse Wasserwerke errichten ließ. Dabei sollten Flussläufe umgeleitet oder gar umgekehrt, die Wüste zum Blühen gebracht werden. Die verheerenden Folgen: Tausende Menschenopfer und (bis heute spürbare) Naturkatastrophen, wie z.B. die Austrocknung des Aralsees. Die Wassertechniker wurden jedoch zu immer neuen „Höchstleistungen“ verpflichtet, unterstützt von Stalins “Ingenieuren der Seele”, den Schriftstellern, die in ihren Texten diese Großtaten des Sozialismus preisen mussten. Westermann liefert Einblicke in das Innenleben der streng kontrollierten sowjetischen Schriftstellerszene und in die Entstehung der Werke von Maxim Gorki, Konstantin Paustowski, Andrej Platonow, Boris Pasternak u.a.
Kurz gesagt: Ein ungewöhnliches, ein tolles Buch – faszinierend, fesselnd, klug!

 

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Christine Finke: „Allein, alleiner, alleinerziehend – Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“

Ich war auch mal alleinerziehend. Meine Jungs waren Winzlinge, die Tochter noch nicht auf der Welt. Ich hatte einen Haushalt an der Backe, einen großen Hund, meinen Job. Mein Mann arbeitete damals in einer anderen Stadt und kam nur an den Wochenenden nach Hause. Werktags war ich mit sämtlichen die Familie betreffenden Belangen allein. Das kostete Unmengen Kraft. Ich beklagte das. Ich wünschte mir, dass mein Mann wieder in Berlin arbeiten möge. Weil das für die Liebe schöner ist, für die Kinder auch, für den Hund ebenso und überhaupt. Und damals bezeichnete ich mich als alleinerziehend. Ich Ahnungslose! Wie sehr befand ich mich im Irrtum! Denn: Ich war nicht alleinerziehend. Mein Mann war zwar physisch nicht anwesend, doch wusste ich ihn an meiner Seite. Wir liebten uns, standen ständig in Verbindung, er stärkte mir auf die Entfernung den Rücken und ich ihm. Wir freuten uns aufeinander und aneinander. Er war den Kindern, wenn auch nur an den Wochenenden, ein liebevoller, zugewandter Vater und mir damit eine Stütze. Und: Es gab keine Geldsorgen.

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Dies alles haben alleinerziehende Mütter nicht. In aller Regel leben sie eine jahrelange Zerreißprobe: Sie tragen die praktische Verantwortung für alles, was die Kinder betrifft; sie erfahren besonders drastisch, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Mär ist; sie haben nie Pause; sie haben immense Geldsorgen; sie werden von ihrem Umfeld schief angesehen. Kurzum: Sie sind mutterseelenallein.
Wie sich das anfühlt, wie frau damit (über)lebt, wie das Alleinerziehend-Sein ausgrenzt, fast kaputt macht – das alles beschreibt Christine Finke (alleinerziehend, drei Kids, abgetauchter Ex), Betreiberin des Blogs ‪#‎mamaarbeitet‬, in ihrem Buch „Allein, alleiner, alleinerziehend – Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“. Ihr Bericht ist eindrucksvoll, erschütternd, schonungslos offen. Zugleich aber auch – und darin liegt, wie ich finde, die Kunst – durchtränkt von Liebe und Humor. Ich wünsche diesem Buch viele, viele LeserInnen! Es weitet den Geist.

 

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