Christine Finke: „Allein, alleiner, alleinerziehend – Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“

Ich war auch mal alleinerziehend. Meine Jungs waren Winzlinge, die Tochter noch nicht auf der Welt. Ich hatte einen Haushalt an der Backe, einen großen Hund, meinen Job. Mein Mann arbeitete damals in einer anderen Stadt und kam nur an den Wochenenden nach Hause. Werktags war ich mit sämtlichen die Familie betreffenden Belangen allein. Das kostete Unmengen Kraft. Ich beklagte das. Ich wünschte mir, dass mein Mann wieder in Berlin arbeiten möge. Weil das für die Liebe schöner ist, für die Kinder auch, für den Hund ebenso und überhaupt. Und damals bezeichnete ich mich als alleinerziehend. Ich Ahnungslose! Wie sehr befand ich mich im Irrtum! Denn: Ich war nicht alleinerziehend. Mein Mann war zwar physisch nicht anwesend, doch wusste ich ihn an meiner Seite. Wir liebten uns, standen ständig in Verbindung, er stärkte mir auf die Entfernung den Rücken und ich ihm. Wir freuten uns aufeinander und aneinander. Er war den Kindern, wenn auch nur an den Wochenenden, ein liebevoller, zugewandter Vater und mir damit eine Stütze. Und: Es gab keine Geldsorgen.

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Dies alles haben alleinerziehende Mütter nicht. In aller Regel leben sie eine jahrelange Zerreißprobe: Sie tragen die praktische Verantwortung für alles, was die Kinder betrifft; sie erfahren besonders drastisch, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Mär ist; sie haben nie Pause; sie haben immense Geldsorgen; sie werden von ihrem Umfeld schief angesehen. Kurzum: Sie sind mutterseelenallein.
Wie sich das anfühlt, wie frau damit (über)lebt, wie das Alleinerziehend-Sein ausgrenzt, fast kaputt macht – das alles beschreibt Christine Finke (alleinerziehend, drei Kids, abgetauchter Ex), Betreiberin des Blogs ‪#‎mamaarbeitet‬, in ihrem Buch „Allein, alleiner, alleinerziehend – Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“. Ihr Bericht ist eindrucksvoll, erschütternd, schonungslos offen. Zugleich aber auch – und darin liegt, wie ich finde, die Kunst – durchtränkt von Liebe und Humor. Ich wünsche diesem Buch viele, viele LeserInnen! Es weitet den Geist.

 

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