Apokalypse oder Chance?

Donald Trump hat die US-Wahl gewonnen. Na und?!, frage ich provokativ in meinem neuesten Artikel für den Tagesspiegel. Geht die Welt jetzt unter? Ich will mir erlauben, neben den schlimmen auch positive Gedanken zu denken. Denn es bringt mich keinen Schritt weiter, wenn ich mich in Hysterie verrenne oder von Angst knechten lasse.

Tagesspiegel online vom 11. November 2016

SÜ36 präsentiert den BÜBÜL VERLAG BERLIN!

Der BÜBÜL VERLAG BERLIN war zu Gast im Künstlersalon SÜ36, vorgestellt von Tanja Langer (die ihn kürzlich gründete) und Wiebke Eden, die eigene und andere bei BÜBÜL erschienene Texte las. Vor Ort auch die Malerin Dietlind Horstmann-Köpper, die die BÜBÜL-Werke liebevoll illustriert. Maria Herrlich, Grafikern mit Zauberhänden und ebenfalls gestalterisch für BÜBÜL tätig, konnte leider nicht dabei sein. Daher an dieser Stelle ein Logo, das Maria Herrlich für den Verlag entwickelt hat:

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Zur Entstehungsgeschichte des kleinen aber feinen Verlages, der Anfang dieses Jahres ins Leben gerufen wurde, erzählte Tanja Langer folgendes:

“Im Frühjahr hatte ich einen Traum. Ich hielt ein Buch in den Händen, und auf der ersten Seite stand unten als Verlagssignet: BÜBÜL – die bücher mit dem büffel.

Ich stutzte, dann wurde mir klar: es war mein Verlag! Glücklich erwachte ich. Ich sah im Internet nach: Was für ein Tier ist denn dieser Büffel überhaupt? Er gilt in der indianischen Mythologie als Krafttier; eine geheimnisvolle Schamanin in elegantem, weißem Kleid aus Büffelleder brachte den Menschen das Feuer. Es gibt die Kaffernbüffel in Afrika, die Bisons in Amerika, Wasserbüffel in Asien, kurz, der Büffel ist ein internationales Tier, das etwas schlecht sieht, aber dafür umso besser hört. Er ist zäh und er sorgt stets für das Wohl seiner Herde. Je mehr ich las, desto besser gefiel mir die Idee.

Im sonderbaren Wort „bübül“ klingt ja auch die persischtürkische bülbül an, die Nachtigall also, der Vogel der Poesie. Ich verliebte mich in den Büffel in seiner vielfältigen Gestalt. Jede Künstlerin, jeder Künstler, mit dem ich ein Buch machen würde, sollte seinen eigenen Büffel zeichnen. Ich weiß nicht, ob Büffel so schnell auf die Welt kommen wie unser bübül, aber sie vermehren sich gern und traben vergnügt gemeinsam über die Weide. Und so melden sich hoffentlich bald die ersten KünstlerInnen und SchriftstellerInnen, mit ihren Ideen. Einige haben schon gebübült.

Das Entscheidende: Jedes Buch wird liebevoll und individuell gestaltet, in engster Zusammenarbeit mit allen KünstlerInnen und Schreibenden.”

Alle Veröffentlichungen des BÜBÜL VERLAGs BERLIN können hier betrachtet und bestellt werden : http://tanjalanger.de/buebuel/

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Wiebke Eden (links) und Tanja Langer

 

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Von rechts: Dietlind Horstmann-Köpper, Wiebke Eden, Tanja Langer, Nicki Pawlow

 

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Ulrike Plessow: Das orientalische Kochbuch – Bilder, Geschichten und Rezepte der Familie Tatlici

Vor kurzem erhielt ich „Das orientalische Kochbuch“ mit der Post. Ich brauchte ein bisschen, ehe ich begriff, dass Ulrike Plessow es verfasst hat. (Der Name der Autorin steht nicht auf, sondern nur im Buch). Ulrike kenne ich schon seit fast zehn Jahren, sie ist Geschäftsführerin der PR-Agentur BUCH CONTACT und hat meinen ersten Roman betreut. Aus dieser wunderbaren Zusammenarbeit entstand eine schöne Freundschaft. Heute zählt Ulrike zu den Stammgästen meines Künstlersalons „SÜ36“.

14333205_1272680322784688_7134124348512356502_nDass sie nun unter die Autorinnen gegangen ist, ist ein echter Glücksfall! Denn „Das orientalische Kochbuch“ ist ein Juwel unter den Kochbüchern. Weil es mit so viel LIEBE gemacht ist – mit Liebe zu den Gerichten, Liebe zu den Zutaten, Liebe zu den Rezepten, Liebe zum Land, Liebe zu den Menschen und Geschichten, die damit verbunden sind. Ulrikes Mann Özgür stammt aus der türkischen Provinz Hatay und kam als Kind mit seinen Eltern in die Bundesrepublik. Die Rezepte stammen von seiner Mutter, Ulrikes Schwiegermama.
Beim Durchblättern hatte ich sofort das Bild meiner bulgarischen Oma, Baba Wentsche, vor meinem geistigen Auge. Wie oft sah ich sie am Herd stehen und stundenlang mit größter Hingabe die köstlichsten Speisen für die Familie zubereiten. Und tatsächlich findet sich in Ulrikes Buch so manches Gericht, das meine Baba ebenfalls in ihrem Repertoire hatte, als ich Kind war. Die Türkei und Bulgarien sind ja nicht so weit voneinander entfernt …
Unbedingt erwähnenswert sind auch die zauberhaften Illustrationen, auf denen unschwer, neben zahlreichen anderen Familienmitgliedern, Ulrike und Özgür zu erkennen sind.
Ich wünsche diesem tollen Buch den größtmöglichen Erfolg!

 

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“rbb UM 4” sendet am 15.09.2016 live aus dem Alliiertenmuseum in Berlin-Zehlendorf

Hier der heutige “rbb UM 4”-Fernsehbeitrag in Gänze. Es kommen nicht nur der Leiter des Alliiertenmuseums, Bernd von Kostka, und der ehemalige Fotograf der Alliierten, Wolfgang Chodan, zu Wort. Nein, es ist auch sonst eine Menge über Berlin-Zehlendorf zu erfahren.

Der Beitrag über meinen Roman “Der bulgarische Arzt” samt Interview beginnt bei Minute 42’50”. Ein herzliches Dankeschön an das rbb-Team. Ihr wart mehr als toll! Und nun viel Freude beim Ansehen.

Hier klicken!

 

 

Flucht ist mein Thema – einfach, zweifach, dreifach!

1.
Am 18. August erschien im Berliner Tagesspiegel ein sehr schöner Artikel über mich und meinen Roman “Der bulgarische Arzt”. Dorothee Nolte hat den Text verfasst. So fängt er an:

“Flucht ist ihr Thema, einfach, zweifach, dreifach. Die erste Flucht erlebte Nicki Pawlow, als sie mit ihrer Familie aus der DDR nach Westdeutschland floh; da war sie 13. Danach, bis ins Erwachsenenalter, floh sie weiter: vor der Auseinandersetzung mit ihrem Vater, dem liebenswerten, manchmal hassenswerten Psychiater aus Bulgarien. Und auch jetzt, da die Schriftstellerin einen autobiografischen Roman veröffentlicht hat, in dem sie die Geschichte ihrer Familie verarbeitet, lässt sie das Thema Flucht nicht los: Nicki Pawlow engagiert sich in ihrem Heimatbezirk Zehlendorf für Flüchtlinge, gibt Frauen Deutsch- und Alphabetisierungskurse.”

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, machte es ‘klick’ in meinem Kopf. Mir wurde klar, dass FLUCHT wirklich mein Hauptthema war, ist und wohl immer bleiben wird. Als Flüchtlingsmädchen aus der DDR litt ich schrecklich unter der Entwurzelung und dem Heimatverlust. Es war nicht leicht, mich im freien Westen einzuleben. Meine Kindheit war mit dem Wechsel von Ost nach West schlagartig zu Ende. Das erlittene Trauma wurde fleißig verdrängt. Und so mussten weitere Fluchten folgen.
Ich floh tatsächlich (wie im obigen Artikel erwähnt) viele Jahre lang vor der schmerzlichen Auseinandersetzung mit meinem Vater. Ich flüchtete, ohne dies zunächst zu erkennen, in eine Sucht, genannt Bulimie, die mich 20 Jahre lang knechten sollte. Ich flüchtete mich in zerstörerische und unbefriedigende Männerbeziehungen, in denen ich oft die Opferrolle einnahm. Ich flüchtete mich in eine Firma, die ich mit einem dieser Männer gründete. Ich flüchtete mich rund um die Uhr in die Arbeit und hielt mich so davon ab, zu mir selbst zu kommen. Die Firma sammelte – trotz aller Anstrengungen – einen riesigen Schuldenberg  an. Schließlich trieb ich den Mann aus dem Haus und mich selbst in den Ruin. In meiner Geschichte “Später! wird das Leben schön” habe ich es aufgeschrieben, hier ein kurzer Auszug:

“Mit 31 Jahren lag mein Leben in Trümmern. Ich stand vor dem Nichts. Ich empfand meine Lage als ausweglos, ja lebensbedrohlich. Und je mehr ich mich dem großen Nichts, dem Super-GAU meines Lebens näherte, desto stärker wurde mir die große Leere in meinem Innern bewusst. Ich befand mich im Auge des Orkans und ich wurde ganz ruhig. Ich gelangte an einen Wendepunkt. Zwar saß ich tief in der Patsche, doch eine innere Stimme sagte mir, dass alles wieder gut werden konnte. Und obwohl ich durch die äußeren Verhältnisse total gefangen war, fühlte ich mich innerlich zum ersten Mal richtig frei.
Ich hörte auf, mich mit Essen voll zu stopfen und mich zu erbrechen.
Ich begann Schritt für Schritt mein Leben in Ordnung zu bringen.
Ich fing an als freie Journalistin zu arbeiten.
Ich lernte meinen heutigen Ehemann kennen und lieben.
Ich begann literarische Prosa zu schreiben.
Ich heiratete und bekam drei Kinder.”

Das Gute an diesem Scheitern war: Ich hörte auf zu flüchten und vor mir selber abzuhauen. Endlich stellte ich mich mir selbst, packte Stück für Stück den Rucksack aus, den das Leben mir aufgesetzt hatte. Ich sah mir alles ganz genau an: Meine Kindheit, meine Erinnerungen, meine Gefühle – all das Schmerzliche, all das Schlimme. Ich kam Gedankenmustern und Glaubenssätzen auf die Schliche, die mein Denken eingeengt hatten und verstand mehr und mehr, warum und wie ich so geworden war, wie ich nun einmal bin! Jede Niederlage und jeder Schmerz hatten ihren Sinn gehabt. Ich verstand, dass nur ich ganz allein die Verantwortung für mein Denken, Fühlen und Tun habe. Und lernte, dass – wie in meinem Fall – Bewusstmachung Heilung bewirken kann.

 

2.
Durch meine Fluchterfahrungen (die große von Ost nach West und all die anderen “kleineren”) werde ich niemals vergessen, wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein. Und ich werde nicht müde zu wiederholen, dass es die Menschlichkeit gebietet, den Kindern, Frauen und Männern, die vor Krieg, Terror und Tod fliehen, zu helfen. Und weil zur Zeit so viele auf dem Satz “Wir schaffen das” von Angela Merkel herumreiten, möchte ich hier den tunesisch-deutschen Blogger Karim Hamed zitieren, dessen wunderbares Facebook-Statement ich voll und ganz teile:

“Aus aktuellem Anlass wurde ich gefragt, ob wir es denn noch „schaffen können“. Ohne zu zögern lautete meine Antwort: „Wir haben es doch geschafft!“. Hinsichtlich der Massen an nicht bearbeiteten Asylanträgen, der stockenden Familiennachzugsanträge, der fehlenden Sprach- und Integrationskurse und so weiter, mag das vielleicht naiv klingen. Dennoch glaube ich wirklich, dass wir es geschafft haben. Wir haben es geschafft, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich nach einem Jahr immer noch engagiert. Wir haben es geschafft, dass jeder bei uns ein Dach über den Kopf hat und genug zu essen bekommt. Auch wenn die Hetzer hetzen, die Nazis zündeln, einige Politiker poltern und manche Medien skandalisieren so machen wir weiter. Und auch wenn noch viel zu leisten ist, so haben wir doch geschafft, was im ersten Jahr zu schaffen war und wenn es nötig sein wird den gleichen Einsatz erneut zu bringen, dann würden wir auch noch viel mehr schaffen können.
Doch was ich am wichtigsten finde: Wir haben es geschafft uns unsere Menschlichkeit zu bewahren.
Darauf kommt es an.”

Ja, wir haben geschafft, was im ersten Jahr zu schaffen war! Unser Land ist entgegen aller negativen Prophezeiungen nicht im Chaos versunken. Und es gibt so viel Gutes zu berichten! Da die positive Berichterstattung in den Medien viel zu kurz kommt (bringt ja keine Quote!), habe ich mich all jenen angeschlossen, die sich gezielt für das Sammeln und  Verbreiten von guten Nachrichten einsetzen. Dies zu tun ist wichtig und hilfreich. Warum? Weil das, was die Medien uns präsentieren, nur ein sehr kleiner Ausschnitt einer ungeheuer komplexen Wirklichkeit ist. Einer Wirklichkeit, in der auch unfassbar viel Gutes passiert. Doch das Gute findet in den Medien kaum Beachtung. Daraus folgt, dass die Berichterstattung nicht ausgewogen und fair sein kann. Ich gucke schon lange keine Fernseh-Nachrichten mehr. Trotzdem bin ich informiert. Meine Informationen hole ich mir aus dem Netz und entscheide selbst, was ich ansehe, was ich anhöre, wann ich wegklicke. Ich übe mich darin, meinen Fokus auf die guten Ereignisse, schönen Begebenheiten und wunderbaren Wendungen zu richten, die es zuhauf gibt.
Das bedeutet nicht, dass ich mich Konflikten und Problemen verschließe. Ich weiß, dass es bis heute in der Flüchtlingsfrage noch keine “richtige” Lösung gibt. Wir haben die Antworten noch nicht gefunden. Und natürlich ist es katastrophal, dass die AfD in MeckPom 21% errungen hat. Umso wichtiger ist es, einen kühlen Kopf und einen hellen Geist zu bewahren, immer wieder und immer weiter nach Lösungen zu suchen. Das versuche ich, wie tausende andere auch, in meinen persönlichen Kreisen zu tun. Um die Dinge miteinander (nicht gegeneinander) voranzubringen und unsere Welt ein bisschen besser zu machen.

 

3.
Ich hoffe, dazu tragen auch meine Texte bei. Im Tagesspiegel erschien am 2.9. in der Printausgabe und am auch 4.9. online meine Reportage “Wir hören hauptsächlich erst mal zu”,  in der ich den Arbeitskreis “Potentiale” vorstelle. Einmal wöchentlich treffen sich bei uns im Kiez in Berlin-Zehlendorf deutsche mit geflüchteten Männern. Für die oftmals alleinreisenden Neuankömmlinge bedeuten diese Treffen die ersten engeren Kontakte in der neuen Heimat. Die deutschen Helfer hören ihnen zu und versuchen Arbeit und Wohnung zu vermitteln. Mittlerweile teilen die Männer viel mehr miteinander als “nur” diesen Gesprächskreis. Es sind Freundschaften entstanden. Einer der Helfer hat es auf den Punkt gebracht: “Das beste Mittel gegen die Angst ist, diese Menschen kennenzulernen, zu realisieren, dass sie nicht anders sind, als du und ich. Denn im Grunde wollen wir doch alle das Gleiche: Frieden und Freiheit, Arbeit und Brot.”

 

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